III Meta-Evaluation: Integration von Wirksamkeitsstudien
Trotz der Heterogenität der einzelnen Forschungsintegrationen, die sich in unterschiedlichen
thematischen Schwerpunkten, Einschlusskriterien und Auswertungsstrategien ausdrückt, und trotz
der zum Teil widersprüchlichen Befunde lassen sich aus den vorliegenden internationalen
Metaevaluationen einige Trends ableiten (vgl. auch Beelmann, 2006; Beelmann & Lösel, 2006;
Lösel, 2005):
- Es ergeben sich in allen Analysen insgesamt positive Ergebnisse. Das Ausmaß der Effekte
ist dabei überwiegend niedrig bis mittelhoch.
- Die Langzeiteffekte familienbezogener Präventionsmaßnahmen wurden bislang nicht
ausreichend untersucht. Die vorliegenden Ergebnisse sprechen eher für geringe Effekte bei
längeren Nacherhebungszeiträumen (Beelmann & Bogner, 2005; Bogner, 2003; LeMarquand,
Tremblay & Vitaro, 1997). Allerdings liegen auch Daten für steigende Langzeiteffekte
in einigen Kriterienbereichen vor (Layzer et al., 2001; Müller et al., 2001).
- Universelle Präventionsprogramme erbringen im Vergleich mit gezielten Ansätzen
schwächere Effekte (Bakermans-Kranenburg et al., 2003, 2005; Beelmann & Bogner, 2005;
Bogner, 2003; Layzer, Goodson, Bernstein & Price, 2001; McLeod & Nelson, 2000).
Zielgruppen mit einem erhöhten Risiko der Störungsentwicklung (selektive
Prävention) oder einer beginnenden Störung (indizierte Prävention) profitieren
stärker. Dies dürfte einerseits mit sog. Deckeneffekten zusammenhängen; das
heißt, der Spielraum für positive Veränderungen ist bei unbelasteten Familien
geringer und verhindert somit hohe Effekte. Es gibt bei universeller Prävention einen
höheren Anteil von Familien, bei denen sich auch ohne Programm keine gravierenden Probleme
entwickeln würden. Dadurch bleibt der Gesamtunterschied zur Kontrollgruppe begrenzt.
- Kombinierte Programme, bei denen beispielsweise Eltern und Kinder trainiert werden, scheinen
effektiver zu sein als isolierte Maßnahmen (Beelmann & Lösel, 2006). Es gibt aber
auch Befunde, die auf relativ geringe Effekte von multimodalen Programmen hinweisen (z. B.
LeMarquand, Tremblay & Vitaro, 1997).
- Zur Auswirkung der Programmintensität liegen heterogene Befunde vor. Es gibt sowohl Arbeiten,
die längeren, intensiveren Maßnahmen eine größere Effektivität
bescheinigen (z. B. Nelson et al., 2003), als auch solche, nach denen gerade kürzere Programme
besonders wirksam sind (z. B. Bakermans-Kranenburg et al., 2003; Beelmann & Bogner, 2005;
Bogner, 2003).
- Die festgestellten Effekte hängen schließlich auch mit der methodischen Qualität
der Evaluation zusammen. So kamen einige Meta-Analysen bei methodisch schwächeren Arbeiten zu
höheren Effekten (Beelmann & Bogner, 2005; Bogner, 2003; Farrington & Welsh, 2003).
Die zitierten Analysen beziehen sich zumeist auf angloamerikanische Studien. Deutsche Untersuchungen
sind nur in Ausnahmefällen enthalten (z. B. Beelmann & Bogner, 2005; Bogner, 2003) und machen
dort nur einen Bruchteil aus. Es kann deshalb aus den bisherigen Meta-Analysen nicht abgeschätzt
werden, inwieweit die in Deutschland implementierten Angebote wirksam sind. Hier setzt die folgende
Integration von Studien aus Deutschland an.