III Meta-Evaluation: Integration von Wirksamkeitsstudien

3 Deskriptive Analysen

Im Folgenden werden die 27 kontrollierten Studien, deren Ergebnisdokumentation eine meta-analytische Weiterverarbeitung erlaubt, genauer dargestellt. Tabelle III-1 fasst die wesentlichen Studienmerkmale zusammen. Eine Kurzbeschreibung der einzelnen Studien befindet sich im Anhang.

Die Studien erschienen zwischen 1976 und 2005, mit einer Häufung in den Jahren seit 1996. 17 der 27 Studien stammen aus den letzten zehn Jahren. Während aus früheren Jahren in erster Linie Dissertationen und Veröffentlichungen in Büchern und Fachzeitschriften vorlagen, konnten wir für die letzten Jahre auch auf einige bislang unveröffentlichte Projektberichte und Diplomarbeiten zurückgreifen. Dies sollte allerdings nicht als Trend aufgefasst werden, denn die Ursache dürfte auch darin liegen, dass ältere unveröffentlichte Arbeiten schlechter zugänglich sind.

In den Evaluationen spiegelt sich in Teilen das breite Spektrum familienbezogener Präventionsprogramme wider. So reichen die evaluierten Maßnahmen von verschiedenen universellen Elterntrainingsprogrammen (z. B. Heinrichs, Hahlweg, Bertram & Kuschel, 2006; Lösel et al., 2004; Tschöpe-Scheffler & Niemann, 2002) und Elterntrainings für spezifische Zielgruppen (z. B. Klinkner, 2000; Stinner-Meißner, 2004; Witte, Andresen & Hesse, 1983) über allgemeine Maßnahmen im Rahmen der Geburtsvorbereitung (z. B. Bartoszyk & Nickel, 1986) oder zu spezifischen Problemstellungen im Zusammenhang mit der Geburt (z. B. Brisch, Bechinger, Betzler & Heinemann, 2003; Vonderlin, 1999) bis hin zu eher beratungsorientierten Konzepten (z. B. Jotzo, 2003; Ziegenhain, Derksen & Dreisörner, 2004).

Trotz der Vielfalt liegt der Schwerpunkt der evaluierten Maßnahmen bei Erziehungskursen (n = 21). Sechs Interventionen sind dem Bereich der Geburtsvor- und -nachbereitung im weitesten Sinne zuzurechnen. Davon war nur eine Maßnahme ein klassischer Geburtsvorbereitungskurs (Bartoszyk & Nickel, 1986), drei Studien befassten sich mit Interventionen zur Bewältigung einer Frühgeburt (Brisch et al., 2003; Jotzo, 2003; Vonderlin, 1999) und eine Intervention war speziell auf die Situation sehr junger Mütter ("Teenager- Mütter") zugeschnitten (Ziegenhain et al., 2004). Eine kontrollierte Evaluation einer Eltern-Kind-Gruppe liegt nur einmal in Form des Prager Eltern-Kind-Programms vor (PEKiP; Knödel, 1983).

Tabelle III-1: Deskriptive Merkmale der analysierten Studien (N = 27)
Deskriptive Variablen Häufigkeit Prozent
Art der Publikation
  Publizierte Artikel (Zeitschrift, Monographie) 14 51.9
Veröffentlichte Dissertationen 5 18.5
Unveröffentlichte Qualifikationsarbeiten und Berichte 8 29.6
Erscheinungszeitraum
  Bis 1995 10 37.0
Seit 1996 17 63.0
Art der Maßnahme
  Erziehungskurs 21 77.8
Geburtsvor- und -nachbereitung 6 22.2
Theoretischer Hintergrund des Programms
  Lerntheoretisch 13 48.1
Andere (z. B. humanistisch) 4 14.8
Eklektisch 9 33.3
Keine Angaben 1 3.7
Programmgestaltung
  Weitgehend freie Gestaltung 9 33.3
Vorgaben mit Gestaltungsspielraum 5 18.5
Vorgaben nach Manual 11 40.7
Keine Angaben 2 7.4
Grundausrichtung der Maßnahme
  Primär gesprächsorientiert 16 59.3
Fokus auf Verhaltensübungen 10 37.0
Keine Angaben 1 3.7
Setting
  Familienbildungsstätte, Beratungsstelle, Bildungshäuser 10 37.0
Andere Institutionen (Schule, KITA, Gemeindezentrum) 9 33.3
Verschiedene Orte 1 3.7
Überwiegend Hausbesuche 2 7.4
Keine Angaben 5 18.5
Format des Programms
  Nur Gruppensitzungen 21 77.8
Enthält Einzelsitzungen bzw. individuelle Beratung 6 22.2
Anzahl der Sitzungen
  3 bis 5 Sitzungen 8 29.6
6 bis 10 Sitzungen 13 48.1
11 bis 20 Sitzungen 4 14.8
70 Sitzungen 1 3.7
Keine Angaben 1 3.7
Dauer der Sitzungen in Minuten
  30 bis 60 Minuten 2 7.4
60 bis 90 Minuten 6 22.2
90 bis 120 Minuten 5 18.5
120 bis 150 Minuten 7 25.9
Über 150 Minuten 3 11.1
Keine Angaben 4 14.8
Gesamtstundenzahl der Maßnahme
  2 bis 12 Stunden 11 40.7
13 bis 24 Stunden 6 22.2
25 bis 45 Stunden 5 18.5
70 Stunden 1 3.7
Keine Angaben 4 14.8
Art der Prävention
  Universell 12 44.4
Gezielt (selektiv/indiziert) 15 55.6
Rekrutierung
  Geh-Struktur 15 55.6
Komm-Struktur 6 22.2
Mischform 4 14.8
Keine Angaben 2 7.4
Geschlecht der Teilnehmer
  Mütter und Väter 21 77.8
Nur Mütter 5 18.5
Keine Angaben 1 3.7
Alter der Kinder
  Säuglingsalter 6 22.2
Bis Kindergartenalter 11 40.7
Schulalter 6 22.2
Keine spezifischen Altersgruppen 4 14.8
Art der Kontrollgruppe
  Unbehandelte KG 21 77.8
Warte-KG 5 18.5
KG mit alternativer Behandlung 1 3.7
Follow-Up      
  Kein Follow-Up 17 63.0
Zeitraum bis 6 Monate 5 18.5
Zeitraum 6 bis 12 Monate 4 14.8
Zeitraum über 12 Monate 1 3.7
Umfang der Gesamtstichprobea
  Stichprobengröße ≤ 50 13 44.8
Stichprobengröße 51 bis 100 11 37.9
Stichprobengröße > 100 5 17.2
Qualität des Studiendesigns
  Nonäquivalente Programm- und Vergleichsgruppeb 17 63.0
Anfallende Stichproben mit geringen Unterschieden 6 22.2
Kontrollierte Zuweisungsstrategieb 4 14.8
a Angaben beziehen sich auf k = 29 Vergleiche;
b Bei einer Studie ergaben sich trotz vorliegender Randomisierung erhebliche Unterschiede zwischen Untersuchungs- und Kontrollgruppe; diese wurde daher der Kategorie der nonäquivalenten Designs zugeordnet.

Neben PEKiP lagen aus dem Bereich der in der Bestandsaufnahme häufiger genannten Konzepte Evaluationen zu "Starke Eltern - Starke Kinder" (Tschöpe-Scheffler & Niermann, 2002), "Triple P" (Heinrichs et al., 2006; Neumann, 2004/Nielebock, 2004; Sondermann, 2004) und dem "Gordon-Training" (Köhle & Köhle, 1988; Witte et al. 1983; mit Ergänzungen: Voges, 1977) vor. Für die weiteren häufiger genannten Kurskonzepte konnten keine kontrollierten Wirkungsuntersuchungen identifiziert werden. Drei Studien beziehen sich auf das an der Universität Erlangen-Nürnberg entwickelte und erst seit kurzem für die Praxis freigegebene "EFFEKT" (Lösel et al. 2006 und zwei Studien aus Beelmann, 2003b). Andere aktuell wenig verbreitete Programme wurden jeweils nur in einzelnen Studien untersucht.

Der Großteil der evaluierten Programme basiert auf lerntheoretischen Prinzipien. Der Rückgriff auf andere, klar abgrenzbare theoretische Ansätze wie humanistische oder systemische Modelle war selten. Häufig lag eine Konzeption vor, die sich in eklektischer Weise verschiedener Theorien bediente.

In Bezug auf die in den Maßnahmen verwendeten pädagogischen Methoden zeigte sich, dass neben der klassischen Informationsvermittlung auch vermehrt Methoden eingesetzt wurden, die direkt an der Umsetzung des Gelernten sowohl in den Sitzungen als auch im Alltag ansetzen (Rollenspiele, Hausaufgaben; jeweils in ca. 89 Prozent der Studien genannt). In zehn Programmen erfolgte eine sehr starke Betonung von Verhaltensübungen gegenüber eher gesprächsbasierten Methoden.

Meist waren die untersuchten Maßnahmen mehr oder weniger stark durch Vorgaben eingeschränkt. Ein offener Gestaltungsrahmen ohne nähere Vorgaben zur Durchführung und/oder zu konkreten Inhalten bestand nur bei neun Maßnahmen. Bei 16 Maßnahmen wurden hingegen Richtlinien für die Gestaltung vorgegeben, und in elf dieser Fälle war der Ablauf durch ein Trainingsmanual weitgehend festgelegt. Die evaluierten Maßnahmen zeichneten sich also im Vergleich zu den Angaben in der Bestandsaufnahme häufiger durch eine höhere Vorstrukturierung aus.

Die Interventionen fanden meist als Gruppensitzungen statt. Die Größe der jeweiligen Gruppen lag zwischen 4 und 16 Teilnehmern mit einer mittleren Gruppengröße von 8 Personen. Die drei Maßnahmen, die als reine Einzelsitzungen stattfanden (Jotzo, 2003; Neumann, 2004/Nielebock, 2004; Ziegenhain et al., 2004), betonen naturgemäß den Beratungsaspekt stärker als die Gruppenprogramme. Abgesehen davon unterschieden sich diese Maßnahmen in ihren Inhalten, Zielsetzungen und Methoden aber kaum von den Gruppenprogrammen (z. B. Triple P-Elternberatung bei Neumann, 2004/Nielebock, 2004, im Vergleich zum Triple-P-Elterntraining bei Heinrichs et al., 2006, oder bei Sondermann, 2004).

 
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