5 Diskussion der Ergebnisse der Meta-Evaluation

Der Anteil an Verhaltensübungen korreliert mit dem zeitlichen Aufwand der Angebote, der wiederum mit der erzielten Effektstärke zusammenhängt. Obwohl die Intensität einer Maßnahme auch auf die Problembelastung der Zielgruppe bezogen ist, scheint diese nicht der alleinige Grund für die Korrelation zwischen Intensität und Wirksamkeit zu sein. Denn in den Untersuchungen zu gezielten Präventionsmaßnahmen zeigt sich dieser Effekt besonders deutlich. Gerade dort, wo gewisse Belastungs- und Problemkonstellationen vorliegen, ist offenbar eine intensivere Einflussnahme geboten. Ähnliches deutet sich bei kindbezogenen Präventionsmaßnahmen an (vgl. Beelmann & Lösel, 2006; Nelson, Westhues & McLeod, 2003).

Hinsichtlich der inhaltlich-theoretischen Fundierung zeigen sich keine ausgeprägten Unterschiede. Ein Grund hierfür dürfte darin zu suchen sein, dass wegen der geringen Studienzahl nur grobe Unterteilungen vorgenommen werden konnten. Unter jeweils gleichen Etiketten befinden sich sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Effekte sehr heterogene Studien. Diese Heterogenität besteht besonders bei den als eklektisch klassifizierten Programmen. Sie spiegelt aber zugleich einen Trend wider, erfolgversprechende theoretische Konzepte zu kombinieren. Festzuhalten ist, dass alle Konzepte über alle Analysen hinweg signifikant positive Veränderungen bewirken. Ähnlich wie in der Psychotherapie scheint auch der "Schulenstreit" in der Familienbildung nicht sehr zukunftsträchtig zu sein.

Wichtiger scheint zu sein, dass ein empirisch fundierter Theorieansatz in der Maßnahme auch konsequent umgesetzt wird. Zum Beispiel fanden wir etwas geringere Effekte bei Maßnahmen, die ohne weitergehende Vorgaben durchgeführt werden. Obwohl auch eine allzu strenge Manualisierung problematisch sein mag, da auf individuelle Bedürfnisse zu wenig Rücksicht genommen werden kann, können klare Vorgaben zum Aufbau und Ablauf der einzelnen Sitzungen eher sicherstellen, dass ein Konzept auch praktische Wirklichkeit wird. Das heißt, ein strukturierter Ansatz erhöht die Programmintegrität. Aus den vorliegenden Studien kann die Güte der jeweiligen Implementierung nicht abgeschätzt werden. Die Betonung der Integrität deckt sich aber mit Erfahrungen aus anderen Bereichen (siehe z. B. Lösel & Beelmann, 2003; Schmucker, 2004). Auch die geringeren Effekte bei größeren Studien weisen in diese Richtung.

Unsere Meta-Evaluation zeigt somit einerseits ermutigende Ergebnisse, andererseits aber gravierende Forschungsdefizite. Im Besonderen gilt dies für Maßnahmen wie Eltern-Kind-Gruppen und andere, offene Angebote der Familienbildung. Während für Erziehungskurse im engeren Sinne einige kontrollierte Untersuchungen zur Verfügung stehen, ist der Evaluationsstand bei den anderen Angeboten unzureichend. Es liegen zwar einige unkontrollierte Untersuchungen dazu vor (z. B. Bäcker-Braun & Pettinger, 2000; Höfer & Strauss, 2004; Kubani, 1997), doch lassen sich aus diesen Studien kaum Rückschlüsse bezüglich der spezifischen Wirksamkeit der Maßnahmen ziehen. Die Teilnehmer beurteilen die Programme zwar als hilfreich, es bleibt aber unklar, ob sich vergleichbare Entwicklungen nicht auch ohne die jeweiligen Angebote ergeben würden. Überdies dürfte sich in den Urteilen der Eltern auch ein dissonanzreduzierender Effekt zeigen: Wer die Mühe des regelmäßigen Besuchs einer Veranstaltung auf sich nimmt, wird dies ungern als unnötig wahrnehmen wollen. Gleichwohl ist die subjektive Zufriedenheit eine Voraussetzung für die regelmäßige Teilnahme an einem Angebot und damit der Möglichkeit, die vom Programm angestrebten Ziele zu erreichen. Eine systematische Prüfung von Wirkungen und ihren Bedingungen kann dies jedoch nicht ersetzen. Denn im ungünstigen Fall können sich trotz der Zufriedenheit mit einem Programm langfristig sogar negative Folgen ergeben (McCord, 2003).

 
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