IV Zusammenfassende Diskussion

1 Familienbezogenes Präventionsangebot in der Eltern- und Familienbildung

Aus forschungsökonomischen Gründen wurde in unserer Bestandsaufnahme keine Totalerhebung vorgenommen, sondern eine repräsentative Stichprobe von jeweils einem Drittel der verschiedenen Einrichtungen gezogen. Insgesamt konnten so Daten von 883 Einrichtungen ausgewertet werden. Das entspricht einer Rücklaufquote von 42,4 Prozent und liegt im Rahmen früherer Befragungen in diesem Bereich. Angesichts der breit gestreuten und vergleichsweise umfangreichen Befragung ist diese Quote sehr zufriedenstellend.

Insgesamt wurden von den antwortenden Einrichtungen 27 796 Angebote genannt, die in den in unserer Studie abgegrenzten Bereich familienbezogener Bildungsmaßnahmen fallen. Eine Hochrechnung, die die Rücklaufquote und die Stichprobenziehung berücksichtigt, ergibt für das Jahr 2004 eine Gesamtzahl von etwa 197 000 Veranstaltungen, die von den in der Befragung repräsentierten Einrichtungen angeboten wurden. Bei rund neun Millionen Familien mit minderjährigen Kindern, die 2004 in Deutschland lebten (Mikrozensus 2004), entspricht das im Durchschnitt einem Angebot für je 46 Familien. Da Angebote für Familien mit jungen Kindern überwiegen, in der Bevölkerung aber von einer annähernden Gleichverteilung über die Altersphasen ausgegangen werden kann, ergibt sich für junge Familien eine höhere Versorgungsleistung als in späteren Familienphasen. Die genannte Zahl der Angebote ist insofern eine Unterschätzung, da eine Reihe von Einrichtungen, die ebenfalls entsprechende Kursangebote machen, nicht befragt wurden (z. B. Volkshochschulen). Angebote, die auf privater oder privatwirtschaftlicher Initiative basieren und deren Anbieter nicht in breitere Organisationen eingebunden sind, wurden nur partiell erfasst. Hinzu kommen Angebote, die zwar im weiteren Sinn zur Familienbildung zählen, aber aus dem hier definierten Rahmen fallen, da es sich bei ihnen nicht um erziehungsbezogene Bildungsangebote handelt (z. B. hauswirtschaftliche Angebote, Kochkurse u. Ä.).

1.1 Anbieter

Als zentrale Anbieter erweisen sich erwartungsgemäß die Familienbildungsstätten. Die antwortenden Einrichtungen berichten aus dem Jahr 2004 von knapp 13 000 Angeboten im Sinne unserer Definition. Eine Hochrechnung führt zu einem einschlägigen Angebot von etwa 100 000 Maßnahmen, die in Deutschland von Familienbildungseinrichtungen durchgeführt werden. Im Mittel beträgt der Anteil der auf die Förderung von Erziehungskompetenzen bezogenen Bildungsmaßnahmen in den Familienbildungsstätten etwa 50 Prozent. Somit decken sich unsere hochgerechneten Angaben zum Gesamtangebot dieser Institutionen gut mit den von den Bundesarbeitsgemeinschaften angegebenen Zahlen (ca. 190 000 im Jahr 2003; siehe Pettinger & Rollik, 2005). Dies spricht auch dafür, dass unsere Stichprobenziehung angemessen war.

Der Anteil familienbezogener Bildungsangebote an der Gesamttätigkeit von Beratungsstellen ist mit zirka sechs Prozent wesentlich geringer. Es bestätigt sich darin, dass das hauptsächliche Aufgabenfeld dieser Stellen in der Einzelfallarbeit liegt. Durch die relativ große Zahl solcher Einrichtungen ergibt sich aber insgesamt dennoch ein beträchtlicher Umfang (vgl. dazu auch Liebenow, 2005). Aus den 6 434 von uns erfassten Veranstaltungen zum Themenbereich lässt sich auf ein Gesamtangebot von ca. 42 000 schließen.

Insgesamt zeigt sich, dass sehr verschiedene Institutionen am familienbildenden Angebot in Deutschland mitwirken, wenn auch mit unterschiedlichen Anteilen und je nach Einrichtungsart mehr oder weniger konsistent. Insbesondere bei den Koordinationsstellen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung, für die Familienbildung nicht in den primären Aufgabenbereich fällt, ergeben sich zwischen den einzelnen Institutionen sehr deutliche Unterschiede in Umfang, Anteil und Schwerpunkten des Angebots. Letztlich sind somit die Familienbildungsstätten nicht nur der Hauptanbieter dieser Maßnahmen, sondern auch hinsichtlich des Umfangs besonders konsistent und bezüglich der Angebotsformen breit gefächert tätig. Bei insgesamt geringerer Intensität gilt dies auch für die selbsthilfeorientierten Vereine.

Die Vielfalt auf Anbieterseite ist einerseits positiv zu sehen. Durch die Verteilung von Angeboten auf verschiedene Stellen ergeben sich für potentielle Teilnehmer vielfältige Anlaufstationen. So bietet sich die Gelegenheit, Familien auch über den "Umweg" anderer Angebote einer Einrichtung in familienbezogene Präventionsmaßnahmen zu bringen. Von den Beratungseinrichtungen wurde zum Beispiel häufig vermerkt, dass die Teilnehmer über die Einzelberatung für die jeweiligen Angebote gewonnen wurden. Ein über verschiedene Anbieter und Institutionen gestreutes Angebot erhöht daher die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern auf für sie hilfreiche Angebote stoßen.