IV Zusammenfassende Diskussion

Andererseits kann die Vielfalt der Anbieter potentiellen Teilnehmern auch den Weg zu einem bedarfsgerechten Angebot erschweren, da gerade weniger einschlägige Einrichtungen oft nur über eine geringe Bandbreite an Maßnahmen verfügen. Der von den Einrichtungsleitern teilweise geäußerte Wunsch nach stärkerer Vernetzung und Kooperation ist aus dieser Perspektive zu bekräftigen. Wenn regionale Einrichtungen im Austausch stehen und sich gegenseitig über die jeweiligen Angebote informieren, eröffnet sich die Möglichkeit, die Eltern bei Bedarf auf Veranstaltungen anderer Einrichtungen hinzuweisen und so eine Vermittlungsfunktion zu übernehmen. Bereits die systematische Sammlung von Angeboten, die dann anderen Anbietern, sozialen Diensten oder den Eltern selbst einen schnellen Überblick geben kann, ist eine einfache, aber wirkungsvolle Hilfe (siehe z. B. das "Bremer Elternnetz" oder die Initiierung von runden Tischen im Landkreis Augsburg, Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, 2003). Die Vernetzung verschiedener Einrichtungen ist außerdem im Rahmen einer gemeinsamen Angebotsplanung sinnvoll. Geschieht dies nicht, so kann sich durch die Vielfalt der Anbieter das Problem ergeben, dass bestimmte Angebotsbereiche parallel versorgt werden, während andere Bedarfslagen unterrepräsentiert bleiben. Die Folge wäre, dass die Einrichtungen teilweise in Konkurrenz zueinander treten, statt sich gegenseitig zu ergänzen.

Durch Koordination und Kooperation könnten einzelne Einrichtungen unterschiedliche Schwerpunkte setzen und auf diese Weise Know-how bündeln. Eine solche Bündelung kann zusätzlich dadurch erfolgen, dass sich verschiedene Stellen gegenseitig mit entsprechenden Angeboten versorgen, so dass nicht die Teilnehmer wandern, sondern die Angebote. In unseren Daten zeigt sich beispielsweise, dass in Beratungsstellen insgesamt häufiger Zielgruppen mit besonderen Belastungen angesprochen werden. Außerdem sind hier Elterngruppen, Vortrags- und Fortbildungsveranstaltungen stärker vertreten. In Familienbildungsstätten liegt dagegen ein Fokus auf Veranstaltungen für junge Familien. Hier gibt es besonders viele Eltern-Kind-Gruppen. Die Familienbildungsstätten machen auch relativ häufig Angebote zur Förderung von Alltagskompetenzen oder zur Arbeit mit Familien aus anderen Kulturkreisen. Bei den selbsthilfeorientierten Vereinen sind Familien mehr in die institutionelle Struktur einbezogen. Es gibt einen höheren Anteil an offenen Treffs, der die Schwelle des Zugangs erniedrigt. Solche bereits bestehenden Schwerpunkte können Ansatzpunkte für eine stärkere Konturierung und Vernetzung der Angebotsstruktur einzelner Einrichtungen liefern. Neben der Kooperation auf institutioneller Ebene erfordert dies auch einen gemeinsamen Versorgungsauftrag und eine möglichst koordinierte finanzielle Förderung.

Alle diese Überlegungen bedürfen aber einer Einschränkung: Sie setzen voraus, dass es regional genügend verschiedene Einrichtungen gibt, die kooperieren können. Dies ist nach unserer Bestandsaufnahme primär im städtischen Bereich und in den alten Bundesländern der Fall. Vor allem in ländlichen Gegenden sind zum Beispiel Familienbildungsstätten und selbsthilfeorientierte Einrichtungen selten. Das heißt, dass dort andere Einrichtungen (z. B. die breiter gestreuten Beratungsstellen) sinnvollerweise Angebote aus dem Familienbildungsbereich mit übernehmen. Das scheint zwar zu geschehen, allerdings nur in Maßen und Angebote in ländlichen Regionen bleiben dadurch selten. Soweit es die Finanzierungsstrukturen und Trägerschaften erlauben, wäre daran zu denken, manche Angebote von Familienbildungsstätten so mobil zu gestalten, dass sich ihr spezifisches Know-how auch in strukturschwachen Gebieten nutzen ließe. Im Sinne der oben genannten Kooperationsbestrebungen könnten dann z. B. lokale Einrichtungen der Erziehungsberatung oder Erwachsenenbildung als Anlaufstellen fungieren. Solche Modelle würden freilich eine große Flexibilität hinsichtlich der Ressourcen und "Revierbesetzung" erfordern.

 
zurück

2/10

vorwärts