IV Zusammenfassende Diskussion

1 Familienbezogenes Präventionsangebot in der Eltern- und Familienbildung

1.2 Angebote

Die Verteilung der Angebote selbst zeigt, dass Eltern-Kind-Gruppen deutlich überwiegen. Allgemeine Eltern-Kind-Gruppen und solche mit spezifischen sensumotorischen Schwerpunkten (z. B. PEKiP, Babymassage) machen zusammen über die Hälfte der hier erfassten Angebote aus. Mit Ausnahme der Beratungseinrichtungen stellen sie in allen Einrichtungsformen den Schwerpunkt des Angebots dar. Dieses Übergewicht deckt sich mit der Forderung des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen (2005), gerade junge Familien im Rahmen von Elternbildung zu unterstützen. Diese Angebote sind eine Art Grundversorgung für Personen, die in eine für sie neue Rolle hineinwachsen. Die Begleitung durch Fachkräfte und der Austausch mit anderen Eltern, die sich in der gleichen Lebensphase befinden, kann ihnen dabei helfen, diesen Übergang besser zu bewältigen und die Risiken und Unsicherheiten, die mit der neuen Verantwortung einhergehen, zu verringern. Dementsprechend werden von den Gruppenleitern als zentrale elternbezogene Ziele die Vermittlung von Wissen über die kindliche Entwicklung und die Schaffung eines sozialen Netzwerkes genannt.

In einer unkontrollierten Evaluation des Eltern-Kind-Programms der Erzdiözese München und Freising (Bäcker-Braun & Pettinger, 2001) zeigt sich, dass die Teilnehmer dieser Gruppen in ihrem subjektiven Urteil von dem Angebot profitieren. Allerdings - und das ist angesichts der Vielzahl dieser Angebote überraschend und bedauerlich - liegen nach unserer Erhebung für Eltern-Kind-Gruppen fast keine kontrollierten Studien zur Wirksamkeit vor. Wir konnten nur eine Studie identifizieren, die sich mit dieser Frage auf methodisch angemessenem Niveau befasste. Dabei handelte es sich um eine Untersuchung des Prager Eltern-Kind-Programms (Knödel, 1983). Als Programm, das inhaltlich relativ spezifisch ist, unterscheidet es sich aber stark von den allgemeiner angelegten Spiel- und Kontaktgruppen, die unter den Eltern-Kind-Angeboten mit etwa 80 % deutlich dominieren. Gerade angesichts des sehr breiten Zielkanons, den die jeweiligen Gruppenleiter für ihr Angebot reklamieren, wäre es erforderlich, die Zielerreichung in stichhaltigen Untersuchungen zu überprüfen. Bei aller Plausibilität des präventiven Nutzens von Eltern-Kind-Gruppen ließe sich erst durch systematische empirische Befunde das Potential dieser Maßnahmen klarer abschätzen. Im Grundsatz gilt dieses Problem allerdings für alle Angebotsformen, nicht nur für Eltern-Kind-Gruppen. Hier ist es lediglich angesichts der Vielzahl der Einzelangebote besonders augenfällig.

Eltern-Kind-Gruppen können neben ihrer eigenständigen Funktion der Förderung von familiären und elterlichen Kompetenzen als "frühe" Angebote auch den Boden dafür bereiten, spätere familienbezogene Präventionsangebote zu nutzen ("Türöffnerfunktion"). In der Einschätzung der Kursleiter, sei sie subjektiv oder auf der Basis einer Teilnehmerbefragung, zeigen sich ganz überwiegend positive Ergebnisse. Das bedeutet auch, dass durch die Angebote offenbar das Vertrauen der Teilnehmer in entsprechende Maßnahmen gerechtfertigt wurde oder gesteigert werden konnte. Dies kann dazu beitragen, in späteren Familienphasen familienbezogene Bildungs- und Beratungsangebote zu nutzen. Wahrscheinlich lässt sich in Eltern-Kind-Gruppen auch gut auf das Angebot entsprechender Einrichtungen hinweisen. Vor diesem Hintergrund wäre es sehr wünschenswert, wenn belastete Familien und Familien aus schwächeren Bildungsschichten gerade bei diesen frühen Angeboten stärker vertreten wären.

Gegenüber den Eltern-Kind-Gruppen sind alle anderen Angebotsformen wesentlich seltener. Dies gilt insbesondere für Angebote, die sich primär mit der Förderung von Alltagskompetenzen beschäftigen. Das hat auch mit den Einschlusskriterien in unserer Studie zu tun. Solche Angebote wurden nur näher berücksichtigt, wenn dabei Inhalte im Mittelpunkt standen, die einen klaren Bezug zur Erziehungssituation haben. Das heißt nicht, dass Angebote, die Alltagskompetenzen thematisieren, in dem von uns erfassten Angebot unbedeutend wären. Vielmehr zeigt sich, dass diese Aspekte sehr häufig in anderen Angeboten integriert sind und dort eine wichtige Rolle einnehmen.

 
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