Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Wir verwenden Rollen- und Funktionsbezeichnungen dementsprechend in einer neutralen Form. Der Lesbarkeit halber verzichten wir darauf, beide geschlechtlichen Formen zu nennen. "Teilnehmer", "Einrichtungsleiter", "Kursleiter", "Hebamme" etc. gelten als Bezeichnung für die Rolle, Funktion oder Ausbildung von weiblichen und männlichen Personen.
Das dargestellte Forschungsprojekt gliederte sich in zwei Teile: Zum einen wurde das Angebot familienbezogener Bildungsmaßnahmen in Deutschland systematisch erfasst und detailliert beschrieben ("Bestandsaufnahme"). Zum anderen wurden die vorliegenden Studien zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen dokumentiert, ausgewertet und mit statistischen Methoden integriert ("Meta-Evaluation"). Untersuchungsgegenstand waren präventiv ansetzende Angebote, die direkt oder indirekt die Erziehungskompetenz in Familien fördern sollen und kursartig organisiert sind (keine reine Einzelfallhilfe oder Therapie)
In der Bestandsaufnahme erfolgte eine bundesweite schriftliche Befragung von Einrichtungen, die Veranstaltungen zur Eltern- und Familienbildung anbieten (Bezugsjahr: 2004). Neben Familienbildungsstätten wurden auch Beratungseinrichtungen, selbsthilfeorientierte Vereine sowie Einrichtungen der allgemeinen Erwachsenenbildung, Seelsorge und Wohlfahrtspflege einbezogen. Aus insgesamt 6 183 Einrichtungen wurde eine repräsentative Stichprobe von 2 083 Einrichtungen gezogen. Davon sandten 883 Einrichtungen die ausgefüllten Fragebögen zurück (Rücklaufquote: 42.4 %). In ihnen wurden 1 451 eigenständige Einzelmaßnahmen detailliert beschrieben.
Insgesamt wurden von den Einrichtungen 27 796 familienbezogene Bildungsangebote im Sinne unserer Definition genannt. Unter Berücksichtigung des Stichprobenanteils und der Rücklaufquote entspricht dies einem Gesamtangebot von etwa 197 000 Veranstaltungen im bundesdeutschen Raum. Dazu kommen 2 293 Fortbildungs- und Supervisionsveranstaltungen mit Bezug zu solchen Angeboten. Die Hauptträger des Angebotes sind die Familienbildungsstätten. Beratungseinrichtungen bieten häufig keine bzw. nur wenige entsprechende Veranstaltungen an. Da es aber zahlreiche Beratungsstellen gibt, tragen auch sie substantiell zum Gesamtangebot in der Familienbildung bei. Bei den anderen Einrichtungen, für die Familienbildung nicht im Zentrum der Arbeit steht, ist das Ausmaß des Angebots sehr heterogen. Sie scheinen vor allem in schwächer versorgten kleinstädtischen und ländlichen Regionen eine wichtige Funktion in der Familienbildung wahrzunehmen.